In jedem Dorf erzählen sich die Menschen Geschichten. Über Jahre hinweg entstehen Märchen und Erzählungen aus vergangenen Tagen. So war es natürlich auch in Feilbingert. Auch hier trieb der Teufel sein Unwesen und die Berggeister versprachen ewigen Reichtum. Die wichtigsten und bekanntesten Sagen um den Lemberg und seinen Reichtum können sie hier nachlesen.
|
|
Es war einmal vor vielen Jahren ein Ritter auf der Ebernburg, der hatte all sein Hab und Gut durchgebracht, so daß er mit Weib und Kindern schier hungern mußte. Das ging ihm schwer zu Herzen.
Da kam er einst auf dem Lemberg in den Wald und traf auf einem Baumstrunk einen, der ihn hell verlachte, weil er so betrübt aussah. Der arme Ritter erzürnte darob und drohte mit dem Bogen, aber der Gesell lachte nur um so ärgen Da zielte der Ritter und schoß. Der andere aber stand auf, warf ihm den Pfeil zurück und sagte: "Ihr seid ein schlechter Schütze, gebt mir eueren Bogen her!"
Dem Ebernburger ward etwas unheimlich zumute, doch reichte er seinen Bogen hin. Da nahm der Fremde eine rote Hahnenfeder vom Hute, legte sie auf und schoß aufs geradewohl in den Wald hinein, und siehe, ein mächtiger Rehbock stürzte getroffen zusammen. "Füttert euere hungernden Würmer damit!" sagte der seltsame Schütze. Der Ritter stand kreidebleich und war keines Wortes mächtig. "Wollt ihr den Bock nicht", sprach jener, "sagt nur, so mag er wieder davonlaufen. - Soll ich euch vielleicht sonst noch helfen?" "Ja, hilf, wenn du kannst!" rief der Ebemburger wie betört. "Ich weiß eine Quecksilberader", sprach der Unheimliche, "die kann euch zum reichsten Manne machen, aber ich muß etwas dafür haben". Er griff ins Gras, rupfte drei Halme ab und fuhr fort: "Das sind drei Züge, tut einen davon. Zieht ihr den großen Halm, so seid ihr selbst mein Eigen; ziehet ihr den mittleren so ist's euer Weib; ziehet ihr den kleinsten. so sind's eure Kinder." Dem Ritter schwindelte, denn er wußte nun wen er vor sich hatte und doch zog es ihm ordentlich die Hand zu den drei Halmen.
Schon berührte er sie da zuckte er zusammen und rief: "Heiliger Gott, erbarme dich mein! "Da tat's einen Donnerschlag, daß der ganze Lemberg zitterte. der Ritter bekam eine so gewaltige Maulschelle, daß er drillte und wie ein Kreisel den Berg hinunterflog.
Als er wieder zur Besinnung kam. lag er unten bei seinem verpfändeten Dörflein Feil. Er faßte indes Mut. ging in den Wald zurück und fand richtig den alten Baumstrunk wieder aber weder den mit der Hahnenfeder, noch den toten Rehbock dabei. Die Stelle jedoch merkte er sich genau, nahm des anderen Tages Leute von Bingert mit. grub nach und fand die reiche Quecksilberader. Die Grube verkaufte er dem Rheingrafen von Stein um schweres Geld. Sie heißt heute noch "Die Drei Züge".
In Bingert wohnte vor Zeiten ein Bergknappe namens Ernst. Der sehr arm, aber dabei fromm und fröhlich, schlicht und recht war und gar artige Liedlein singen konnte. Dabei war er der hübscheste Bursche weit und breit. Der arbeitete jahraus, jahrein fleißig in den "Drei Zügen": doch der Verdienst war nur gering. Zuhause hatte er keine Seele, die ihm etwas hätte kochen können; darum aß er sein Stück Brot in der Grube, wenn die anderen Knappen zum Mittag heimgingen.
In dieser Ruhestunde schlief er einmal ein und als er erwachte, sah er, daß eine Menge Erz neben ihm lag das seine Hauhe nicht abgelöst hatte. Wie die anderen kamen schalten sie ihn einen Nimmersatt, der sich keine Ruhe gönne. Ernst aber schwieg stille dazu. Des anderen mittags tat er nur als schlafe er und sah ein winziges Männlein kommen das mit Fäustel und Eisen für ihn arbeitete. "Glück auf!" rief er dem Männlein zu. Dieses wollte erst entfliehen kam aber doch wieder zurück und sagte ihm er habe für ihn gearbeitet weil er so hübsche Liedlein singe. Und so schenkte es ihm auch weiter sein Hilfe.
Eines Tages tat einer der Knappen einen schweren Fall, so daß er nicht mehr recht arbeiten konnte. Er sollte darum fortgeschickt werden obgleich er Weib und Kinder hatte. Sogleich erbot sich Ernst in der Ruhestunde für ihn zu arbeiten. So durfte der Arme bleiben und bezog nach wie vor seinen Lohn. Da half auch der gute Berggeist treulich mit; denn er hatte seine Freude an dem wackeren Knappen. Bald darauf sang Ernst nicht mehr, sondern war immer betrübt. Er hatte das schönste Mädchen von Hallgarten liebgewonnen. Der steinreiche Vater jedoch wollte sie ihm nicht geben weil er nur ein Bettelbube sei. Das Bergmännlein kam wieder und fragte was ihn denn so traurig stimme. Als ihm der Bursche seine Not klagte forschte es weiter ob er gar kein eigenes Feld besitze. "Nichts als eine Hecke am Lemberg hat mir meine Mutter hinterlassen", sagte Ernst, "es wächst aber kaum ein Strauch darauf." Der Berggeist bestellte ihn auf die Nacht, wenn der Mond scheine damit er ihm das Fleckchen zeige. Ernst kam und das Männlein auch. Als sie an die armselige Hecke kamen hüpfte das Männlein, klatschte in die Hände und rief einmal über das andere: Da ist Ernesti Glück!". Der Bursche meinte dem Berggeist rapple es hinter der Stirne: der aber sagte: "Du bist reicher als der Bauer in Hallgarten. Schürfe du morgen für dich und bald wirst du freien können." Und so war es auch. Ernst schürfte mit dem grauenden Tage auf seinem kleinen Eigentum.
Das Erz, das er fand war besser als das in den "Drei Zügen". Der reiche Bauer von Hallgarten gab ihm nun die Tochter mit Freuden. Das Bergmännlein blieb Ernst auch ferner hold. Heute aber sieht man es bisweilen recht traurig. weil die Grube "Ernesti-Glück" nicht mehr gebaut wird.
Als im dreißigjährigen Kriege der General Gallas mit seinen Kroaten in Kreuznach lag wohnte zu Bingert eine arme alte Frau, die für eine Hexe galt. Sie hatte nichts als ein elendes Hüttchen und drei Geißen im Vermögen, aber eine bildschöne Tochter Des Schulzen Sohn liebte das Mädchen, durfte sich's aber von seinem Vater nicht merken lassen.
Da kamen einst die Kroaten über die Nahe herüber und fielen ins Dorf ein. Das Mädchen lief in den Wald am Lemberg um seine Mutter zu suchen die dort die drei Geißen hütete.
Im Lemberg aber war eine kleine Felsenhöhle hinter dichtem Gestrüpp, da hinein flüchtete sich die Alte mit ihrer Tochter und den Ziegen. Die Kroaten hausten derweilen übel in Bingert, steckten das ganze Dorf in Brand und stachen den Schulzen bis auf den Tod. Er wurde von Dorfbewohnern nach der Höhle getragen und Mutter und Tochter pflegten ihn dort auf's eifrigste bis er genas. Die Leute verließen großenteils Bingert und zogen nach Feil hinüber Auch der Schulze tat so und vergaß gar bald die Wohltat der armen Frauen die nun kein Häus-chen mehr hatten und in der Höhle wohnen mußten. Mit Schrecken gedachten Sie des kommenden Winters. Zu diesem Kummer kam noch die Botschaft, daß der Sohn des Schulzen auf des Vaters Geheiß eine andere freien müsse.
Als die zwei wieder einmal so betrübt in der Höhle saßen und weinten, trat plötzlich ein Bergmännlein zu ihnen und tröstete sie. Mit einem silbernen Fäustlein klopfte es an die Felswand der Höhle und sagte: "Hier ist euer Reichtum. Gehet hin, zeiget dem Pfalzgrafen an ihr hättet eine reiche Mine entdeckt und so er Halbpart gäbe, wollet ihr's ihm kundtun." Die Mutter dachte an "Ernesti-Glück" und ging nach Kreuznach zu des Pfalzgrafen Amtmann. Der sagte den Halbpart zu.
In der Höhle wurde darauf geschürft und siehe da, es war wirklich eine reiche Mine. Der Kurfürst baute der Alten und ihrem schönen Töchterlein ein stattliches Haus und der Schulze sah's nun gar gern, daß sein Sohn das Mägdlein zum Weibe nahm. Die Halbschied der Grube aber kaufte der Kurfürst um schweres Geld den Leuten ab und betrieb noch am letzten unter den drei Gruben des Lembergs die, "Geißkammer", wie sie nach jener Höhle heute noch genannt wird.
Quelle: Pfälzische Sagen
![]()
© 1999 Torsten Hahn, Feilbingert